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Vom Ausländer zum Deutschen mit Migrationshintergrund

März 19, 2008 · Kommentar schreiben

Von den 70er bis in die 80er Jahre galt ich als Ausländerin. In den 90er Jahren fühlte ich mich als Deutsche und wurde auch so behandelt. Seit der Jahrtausendwende hat diese Haltung eine Wandlung durchgemacht: ich gelte als Deutsche mit Migrationshintergrund. Hmmm. Liegt es an mir? Zugegeben, allen drei Bezeichnungen lagen jeweils ein unterschiedliches Bewußtsein zugrunde. Aber der Wechsel von Deutsch sein zu Deutsch sein mit Migrationshintergrund kam sicherlich nicht von mir. Ich werde dazu gemacht. Sicherlich spielt eine Rolle, daß sich die Wirtschaftslage angespannt hat. Bis in die 90er Jahre boomte es, und es war nie ein Problem einen Job zu finden, sogar einen, den man gern gemacht hat und den man sich ausgesucht hat. Dies ist zugegebenermaßen mittlerweile schwierig geworden. Bei so mancher Tür, die mir beruflich vor der Nase zugeschlagen wird, bin ich verunsichert, wollen die einfach mich als Gesamtperson nicht, oder spielen mein komplizierter Name und meine Herkunft eine Rolle? Eine Haltung, die ich früher immer kritisiert habe, weil sie Tür und Tor öffnet, um die Schuld nicht bei sich selbst zu suchen, sondern bei den anderen. Aber seit ein paar Jahren bin ich verunsichert. Eine Rolle spielt sicherlich die Entwicklung des Islams. Seitdem er immer fundamentalistischer wird, gibt es mehr und mehr Friktionen zwischen der liberalen Haltung in Mitteleuropa und dem immer mehr und mehr fanatischeren Orient. Ich sehe es an meiner Familie. Sobald das Thema auf Religion kommt, wandelt sich selbst der sanfteste Gesprächsteilnehmer in einen Prediger. Ein weiteres Thema, das die Gemüter in Wallung bringt, ist die Politik, insbesondere wenn diese Israel betrifft. Aber zurück zum Thema. Da ich keine praktizierende Muslimin bin, kann dies kein Hinderungsgrund sein. Viele moslemische Gewohnheiten befremden Europäer, wie das Kopftuchtragen. Ich meine mit den Gewohnheiten nicht nur Fasten oder das fünfmalige tägliche Gebet, sondern die religiöse Haltung äußert sich in Kleinigkeiten im alltäglichen Leben. Zum Beispiel verhalten sich moslemische Frauen und Männer weniger unbefangen miteinander, sie dürfen nicht gemeinsam ausgehen, wenn sie nicht verlobt sind, Sex vor der Ehe ist ein absolutes Tabu. So fallen Ausgehen, Tanzen und Alkohol trinken als gemeinsame Aktivitäten weg – also alles, was für einen Europäer völlig normales Verhalten ist. Strenggläubige Moslems gehen sogar soweit, sich zu weigern, sich mit jemandem in einem Raum aufzuhalten, der Alkohol trinkt.

Aber weder bete ich, noch faste ich, auch trage ich kein Kopftuch. Was ist da also mit mir in den letzten Jahren passiert?

Kategorien: Deutschland · Migration · Religion
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