Der Sommer in Syrien ist einfach heiß. Es ist so heiß, daß man es sich kaum vorstellen kann. Einen Urlaub in den Monaten Juli und August sollte man im Orient vermeiden. Es sei denn, man steht auf 45 Grad im Schatten und eine Sonne, die einem fast die Haut wegbrennt. Selbst kurze Wege in der Mittagssonne erweisen sich als Qual. Häufig muß man seine Wege in der Sonne zurücklegen – ich weiß nicht warum, aber aus Mangel an hohen, belaubten Bäumen, oder auch, weil die Sonne im Sommer so steil steht, mangelt es an Schatten. Eine Zeit lang mußte ich gegen 12 Uhr mittags einen 15minütigen Marsch von der Uni bis zu meiner Unterkunft zurücklegen, das Ganze in der Nähe einer sechsspurigen Hauptstraße (Wenn man in Syrien von Spuren sprechen kann, die Autofahrer halten sich nicht an Spuren, sondern fahren, wo Platz ist. Und Platz finden sie erstaunlicherweise in der kleinsten Lücke. Auf einer Straße, die in Deutschland gerademal dreispurig gewesen wäre, habe ich Aleppo einmal acht Autos nebeneinander gezählt.). Begleitet von den Abgasen der katalysatorfreien Autos, die den billigsten, dreckigsten Treibstoff tanken, den man sich denken kann, und einer Sonne, die sich auf meiner Haut anfühlte, als würde sie mir tausendfach in die Haut beißen, kam mir jeder Meter zu viel vor. Ein Taxi, ein Service (Sammeltaxi) oder Bus wäre keine Alternative gewesen: a) wegen des Mangels einer Klimaanlage, b) wegen der Konkurrenz der zahlreichen anderen Taxisuchern und c) weil die Taxen mittlerweile so klein sind, daß man sich vorher dreimal falten muß, um hinenzupassen. Bis in die 80er Jahre gab es in Syrien amerikanische Autos, als Taxis waren sie die absolute Wonne. Seit ein paar Jahren wurde aber der Import neuer Wagen vereinfacht, so daß viele Taxifahrer auf Dacia umgestiegen sind. Eine Automarke, die man auf deutschen Straßen nicht ohne Grund selten sieht. Man stelle sich einen Fiat vor, verkleinere diesen um 50 % und man hat die ungefähre Größe eines Dacias. Es handelt sich also um ein Auto, das sich absolut nicht als Taxi eignet. Die Sammeltaxen sind auch ein Phänomen. In Kleinbussen, in denen In Deutschland zehn Leute Platz haben, quetschen sich in Syrien bis zu 15 Leute. Dazu muß man sagen, daß Syrer in der Regel kleiner sind als Mitteleuropäer, aber nicht unbedingt schmaler! Platz findet sich im Sammeltaxi überall, und wenn es die Ausbuchtung des Reifens ist oder man steht in Quasimodo-Haltung verkrümmt dar. Hat man einen Platz – im weitesten Sinne – in dem Gefährt gefunden, ist man so eingezwängt, daß man sich – wenn man es vermeiden läßt – nach draußen wünscht, um die Strecke lieber zu Fuß zurückzulegen. Es gibt auch Busse. Ich habe es tatsächlich einige Male fertiggebracht, solchen zu begegnen und bin vor lauter Begeisterung eingestiegen, obwohl es nicht meine Strecke war. Wenn mal schon ein Bus kommt, dann muß man die Gelegenheit nutzen. Obwohl – muß ich hinzufügen, daß die Busse selbstverständlicherweise nicht klimatisiert sind? Aber vielleicht möchte uns die Stadt nur einen Gefallen tun, damit einem die Hitze beim Aussteigen nicht wie ein Schlag trifft.
Kurz, man hat die Wahl zwischen einem nicht klimatisierten Gefährt oder den Gang in der Sonne. Schwitzen tut man hier wie da.
Im Sommer beginnt das soziale Leben erst gegen 18 Uhr, wenn die Sonne untergegangen ist, und es zwar nicht gerade abkühlt, aber wenigstens brennt dann die Sonne nicht mehr. Selbst nachts sinkt die Temperatur gerade mal auf 20-25 Grad. Dies gilt zumindest für Städte wie Aleppo und Damaskus. Decken braucht man da nicht unbedingt, es sei denn, die Unterkunft ist mit einer Klimaanlage ausgestattet, die einen auf 15 Grad tiefkühlt. Aber dies ist eine Unart, die in Syrien noch nicht umgegriffen hat. Sehr wahrscheinlich ist sie auf den Strommangel zurückzuführen. Wenn man Glück hat, wohnt man in einer Gegend, in der nicht täglich für Stunden der Strom abgestellt wird, mit etwas weniger Glück, wird der Strom zwar abgestellt, aber zu festen Zeiten. Und wann man Pech hat, wird der Strom unerwartet abgestellt. Hier hilft nur ein hauseigener Stromgenerator, den sich aber nur wenige Privathäuser leisten.
Die beste Urlaubszeit ist im Frühling, Früh- und Spätsommer sowie Herbst. Der Winter ist nicht besonders schön. Was viele nicht wissen, ist, daß es in Syrien tatsächlich einen – wenn auch an Berliner Verhältnissen gemessen milden – Winter gibt. Es schneit, es regnet und es ist matschig. Also, nicht im Winter nach Syrien fahren, wenn es sich vermeiden läßt.
Layla
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